10 Mai 2007
Alte Medien sterben im Fieber
Eingetragen von Marcel unter Blog; Medien; Meinen .
Die zukünftige Medienminderheit ringt scheinbar heute schon offen mit dem Tod. Unter dem Vorwand der fehlenden Qualität oder mangelnden Reichweite drischt man auf die wachsende Konkurrenz der Blogger ein, berauscht vom Wahn, man könnte die Menschheit mit Polemik oder vorgeblichen Argumenten überzeugen, in die Passivität vor den Fernseher, das Radio oder hinter die Zeitung zurück zu kriechen.
Ich habe die Herren und Damen vom Feuilleton nicht in Web eingeladen und sie müssen auch nicht vorbeischauen (ich fand es schon Verrat, das irgendwer den Juristen vom Web erzählt hat. Die verharren seitdem in dem Glauben, mit Vorkriegstexten die grenzüberschreitende Kommunikation blockieren zu müssen). Sie werden sich aber daran gewöhnen müssen, das es Menschen gibt, die aus Freude an ihrer Tätigkeit und reiner Lust auf’s Kommunizieren ihre Meinung veröffentlichen, ohne vorher den Redaktionsrat tagen zu lassen. Ich habe auch gar nichts dagegen, mit diesen Medienarbeitern in Wettbewerb zu treten (und ich bin nun wirklich kein Freund des Wettbewerbs). Es liegt eher auf deren Seite, durch Qualität, Erfahrung oder Intelligenz Gründe zu liefern, weswegen ich für ihre Arbeit Geld ausgeben soll. Ich finde im Netz nahezu alles, was ich an aktueller Information, Unterhaltung oder Denkanregungen brauche.
Der TV ist entsorgt, das Radio bietet lediglich zwei verbliebene, ernst zu nehmende Programme an und eine einzige Wochenzeitung ist mir noch ab und an mein Geld und meine Zeit wert. Ein paar Magazine leiste ich mir sporadisch aus reiner Freude am bunt bedruckten Papier. (Für längere Lesefreuden gibt es schließlich Bücher.)
Die Feuilletonisten wollen mich verdammen? Wer braucht heute noch Feuilletonisten.
Nachtrag: Dieser Text soll keinen davon abhalten, eine großartige Tageszeitung, Radiosendung, o.ä. zu machen. Ich würde mich sehr freuen, so etwas zu erleben. Nur bitte nicht aus der Mitte der angepassten Mittelmäßigkeit nach denen schlagen, die mehr Freude am Texten haben. Danke.

